Manfred Pernice

 
 

geboren 1963 in Hildesheim
lebt und arbeitet in Berlin

Seine Skulpturen haben den Charme von Baucontainern, Pappbehältern, Transportkisten, Schrottrelikten - kurz: von Modulen der städtischen Zivilisation. Damit gehört Manfred Pernice zu den international bekanntesten Bildhauern seiner Generation. Wenn er nicht gerade abrissfertige Spielplätze oder DDR-Plattenbauten plündert, um Stahlstangen oder Fliesenböden als Ready-Mades zu verwenden, bastelt er seine Boxen, Bänke und Tonnen aus Sperrholz oder Metall selbst zusammen. Pressspan- und Tischlerplatten, Eisenteile und Beton - Pernices Rückgriffe auf das urbane Formenvokabular münden im Einsatz von ganz gewöhnlichen Baumaterialien.

So geht etwa die "Hässliche Luise" (2004) auf das Klettergerüst eines abgerissenen Ost-Berliner Spielplatzes zurück, während die "Bank" (2003) eine für Pernice typische, abstrakt komponierte Dosenform aufweist. Seine verlebten und geklebten Oberflächen versieht er oft mit Kacheln, Fotokopien, Zeichnungen, Texten, Fotos oder Antennen - und bezieht sich damit auf architektonische Details oder funktionale Bauelemente. Mit seinen provisorisch anmutenden Modellbauten greift Pernice auf die Ideen der klassischen Avantgarde von Kurt Schwitters oder Wladimir Tatlin zurück, die er mit der minimalistischen Ästhetik eines Donald Judd kreuzt. Die kalten, glatten Räume und Fassaden, wie sie an den Orten der Moderne zu finden sind, überträgt er dabei in handgezimmerte Utopien, die futuristisch-verkapselt und archaisch-dysfunktional zugleich wirken: Gebilde für eine Welt, in der nur das Unperfekte alle Hoffnung in sich trägt.