geboren 1972 in Rosenheim
lebt und arbeitet in Berlin
Ohne Marcel Duchamp dürften Alltagsgegenstände allein durch den Akt der Auswahl wohl kaum zur Kunst erhoben werden. Wo der Übervater der Konzeptkunst mit seinem „Flaschentrockner“ und dem „Fahrrad-Rad“ in den zehner Jahren des 20. Jahrhunderts anfing, macht der Bildhauer Florian Slotawa seit ein paar Jahren weiter: Seine Installationen bestehen aus Möbeln, Autos, Fahrrädern und allerlei Hausrat, vom Kühlschrank über Designerstühle und Beistelltischchen bis hin zum Radio. Ebenso physikalisch wie ästhetisch ausbalanciert, kombiniert Slotawa schlichte, je nach Fundort edle oder bescheidene Dinge, zu skulpturalen Gebilden von architektonischer Qualität und ironischer Verve.
Für die mal raumgreifenden, mal handlicheren Arbeiten müssen sowohl Slotawas Privatbesitz als auch Museumseigentum, Sammlerwohnungen oder Hotelzimmer herhalten: Slotawa benutzt die Dinge, die ihm in seiner Umgebung begegnen – aber ihm nicht unbedingt gehören. Die Fragen nach Identität und Besitz, Intimität und Öffentlichkeit, Heimat und Nomadentum sind damit geistige Bestandteile seiner Arbeit. Darüber hinaus ist seine Beschäftigung mit dem Formenvokabular der Moderne von zentraler Bedeutung. Die zusammengesetzten Gebrauchsgegenstände, ursprünglich von rein funktionalem Wert, doch im Design individuell aufgewertet, entfalten in ihrer plötzlichen Funktionslosigkeit als Skulptur eine surreale Kraft, mit der Slotawa das modernistische Prinzip von „form follows function“ ins Absurde kehrt.
So auch bei „ GS.002“ (2007): Hier hat Slotawa eine Spülmaschine mit drei Glasfenstern zu einer eleganten Skulptur kombiniert, die in ihrer Schlichtheit fast an ein Objekt der Minimal Art denken lässt, oder an ein Relikt aus den zerstörten Häusern von Gordon Matta-Clark. Slotawas Arbeiten reichen weit über Duchamps Diktum des „Objét trouvé“ hinaus: Seine Fundstücke entfalten ihre Kraft erst im Zusammenspiel mit anderen Teilen – und stehen damit in der Tradition der modernen Skulptur, die der Künstle um eine coole, humorvolle Ebene – ein typisches Merkmal der Kunst des 21. Jahrhunderts – erweitert.