Andro Wekua

 
 

geboren 1977 in Sochumi, Georgien
lebt und arbeitet in Zürich

In Andro Wekuas Bildwelten eintreten heißt, sich auf ein mysteriöses, düster-surreales Terrain zu begeben. Seine Zeichnungen, Bilder, Skulpturen und Installationen entstehen vor der Folie der Erinnerungen an seine Kindheit am Schwarzen Meer. Ob Familienfotos, Selbstportraits oder Ausschnitte aus Modemagazinen – Wekua fügt seine Motive in geometrisch komponierte, dem russischen Konstruktivismus entgelehnte Umgebungen ein, in denen die Farben Schwarz, Blau und Violett dominieren. Immer wieder tauchen unheimliche Elemente auf, darunter clowneske Gesichter, schematisierte Masken oder Räume, die an Zirkuswagen erinnern. Sie verweisen auf eine von Mythen und Magie sowie von starkem familiären Zusammenhalt geprägte Denkweise, wie sie etwa bei den Sinti und Roma präsent ist.

In diese archaisch aufgeladene Ästhetik bettet Wekua immer wieder Fragmente aus Hochglanzelementen ein. Damit verschränkt er zwei verheißungsvolle Traumwelten, zwischen denen er aufgewachsen ist. Bei dieser Kombination ideologischer und formaler Gegensätze zwischen Ost und West schreckt Wekua nicht vor Pathos zurück. Seine Arbeiten haben stets einen nostalgischen Charakter, der sich mitunter nah an der Grenze zum Kitsch bewegt: So übertüncht er Plastikmannequins mit kindlich anmutenden Pinselstrichen oder versieht zart gezeichnete Portraits mit wilden Pinselstrichen, als wolle er die Protagonisten seiner eigenen Handschrift unterwerfen. Auf Podesten platzierte, bunt eingefärbte Keramikmasken wirken wie museale Präsentationsobjekte, von denen eine anonyme, geisterhafte Stimmung ausgeht.

In Wekuas Erinnerungen an die verlorene Heimat, eine Kindheit in Isolation und emotional aufgeladene Familienereignisse schwingt stets ein psychologisch stark verzerrter Unterton mit. Oft taucht der Künstler selbst in Form von Skizzen oder Skulpturen in seinem Werk auf – ein melancholischer Doppelgänger, der auf der Suche nach der eigenen Identität als Stütze dient. Wekuas Fremdheit in der Welt, seine Ängste aus der Vergangenheit wirken wie eine endlose Inspirationsquelle. Aus ihr schöpft er den rätselhaften Firnis, mit dem er seine Werke überzieht.